LA MATINÉE ist eine Dokumentation von Sebastián Bednarik über eine Art uruguayischen "Buena Vista Social Club". Die älteren Herren, die hier porträtiert werden, spielen allerdings keinen "Son", keine Salsa, sondern - Freunde des rheinischen Narrentums aufgepasst! - Karnevalsmusik.
20 Jahre nachdem sie ihre Karrieren eigentlich schon beendet hatten, treffen sich einige legendäre Musiker des uruguayischen Karnevals wieder, um mit zwei jungen Kollegen einen Monat wieder lang auf Tour zu gehen: Ramón "Cuita" Correa (65), der berühmteste Snaredrum-Spieler des Landes, "El Loco" Ian Betancour (67) und Walter "Tate" Taveira. Sie haben alle schwere Jahre hinter sich, lebten in Armut, im Exil oder verfielen dem Alkohol. Ihre Musik ist die einzigartige Karnevalsmusik des Río de la Plata-Deltas, die "Murga".
Die "Murga" hat mit schunkelndem, bierseeligen "Super-Jeile-Zick-Die-Hände-zum-Himmel-Trink-doch-eene-mit-Jefööhl" nicht viel zu tun. Ein eintöniger Rhythmus, ein dumpfes Trommelgrollen, scheppernde Snaredrum und Becken klingen eher geheimnisvoll und düster. Die Tanzbewegungen sind eher Verrenkungen, die Sprünge würden jedes Funkenmariechen zum Weinen bringen. Doch sind die Murgas, der Verkörperung des Karnevals am Río de la Plata. Die Gruppen widmen sich keineswegs dem Klamauk, ihre Musik erzählt ganze Dramen, ist sozialkritisch. Die Popularität der Gruppen wurde von den Regierungen auf beiden Seiten des großen Flusses lange gefürchtet. Unter verschiedenen Militärdiktaturen wurden sie verfolgt und verboten.
Heute haben die Murga-Gruppen eine wichtige soziale Funktion. Sie holen Kinder in den Armenvierteln von der Straße, lehren Solidarität, Verantwortung und Gemeinschaftssinn und zeigen ihnen die Wurzel ihrer Kultur (die Murga-Tradition geht weit bis ins 19. Jahrhundert zurück): es sind Buena Murga Social Clubs!
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