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BLINDNESS im Kino

Als die Ampel endlich grün wird, fährt der Wagen auf der mittleren Spur nicht an. Ein Tumult entsteht, der Fahrer schreit, er sei jäh erblindet, er sehe alles weiß. Man bringt ihn nach Hause, seine Frau geht mit ihm zum Arzt, eine genaue Ursache kann dieser aber auch nicht feststellen.Doch bald darauf erblindet auch der Arzt und mit ihm alle, die mit diesem Mann zusammengekommen sind. Eine Epidemie ist ausgebrochen. Sie wird schlicht und einfach das "weiße Übel" genannt. Damit sie sich nicht noch mehr ausbreitet, lässt die Regierung die Blinden in einer leerstehenden Psychiatrie unter Quarantäne stellen. Das Chaos bricht vollends aus, die Situation eskaliert hin bis zur Grausamkeit, nur die Stärksten überleben. Dies ist die Fabel von José Saramagos DIE STADT DER BLINDEN (1995). Fernando Meirelles hat sich der allegorisch-metaphorischen Erzählung des portugiesischen Literaturnobelpreisträgers angenommen und sie mit internationalen Stars (Julianne Moore, Danny Glover) verfilmt. 

Saramago (*1922)  ist der große alte Mann der portugiesischen Literatur und gilt als deren Erneuerer. Sein Erzählstil ist sehr eigentümlich und deswegen unverwechselbar. Seine Sprache ist bilderreich, mitunter barock-pompös. In der STADT DER BLINDEN, wie auch in anderen Werken bricht er immer wieder die Erzählsituation, spricht die Leser an, stellt sich neben sie, spekuliert mit ihnen über seine Figuren, erklärt, macht aufmerksam, spricht dabei immer auch wie zu sich selbst und überlegt scheinbar mit allen zusammen, was als nächstes passieren wird, als wüsste er es selbst nicht. Wie ein Schaulustiger berichtet der Erzähler von der wuchernden Katastrophe, dem "weißen Übel." Er reiht sich in eine Tradition von Parabeln, wie die von Albert Camus (LA PESTE) oder William Golding (LORD OF THE FLIES) ein - und kommt  zu ähnlichen Ergebnissen: in Extremsituationen bleibt von der Zivilisation oder zivilisierten Menschen nicht viel übrig. Trotzdem - trotz psychischem und physischem Verfall allen Ortes - ist ein Happy End bei Saramago nicht gänzlich ausgeschlossen.

Es handelt sich bei der "STADT DER BLINDEN" um einen fesselnden Roman, selbst wenn Saramagos belehrender Tonfall nicht jedermanns Sache ist . Aber ist er überhaupt verfilmbar? Sind die apokalyptischen Bilder Saramagos von verwüsteten Städten und hungernden, marodierenden Menschen,  die durch das Vorstellungsvermögen des Lesers ihre Kraft gewinnen überhaupt sichtbar zu machen? Fernando Meirelles versucht dies im Verbund mit seinem Kameramann César Charlone mit Bildern (gleissende Weissblenden, ungewohnte Blickwinkel), die gegen die Sehgewohnheiten des Kinogängers verstoßen. Leider möchte Meirelles auch in seiner Verfilmung - trotz der Kraft der Bilder - nicht auf die Rolle des Kommentators verzichten. So erklärt den Zuschauern ein Off-Kommentar, was die Figuren gerade denken und fühlen. Dies ist leider ein gewöhnlicher Kunstgriff von Kinoregisseuren - und leider selten ein gelungener. 

Dennoch ist der Film nicht misslungen, weil Meirelles auf ein wunderbares Schauspielerensemble zurückgreifen kann:  Mark Ruffalo, Gael García Bernal, Alice Braga, Danny Glover und Maury Chaykin

BLINDNESS läuft seit einigen Tagen in den Kinos.


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