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Globalisierung und Gewalt im neuen Film von Paul Leduc
11.10.2006
elcobrador

Nach drei Jahren Zurückgezogenheit präsentiert sich der mexikanische Regisseur Paul Leduc mit seiner neuesten Produktion EL COBRADOR: IN GOD WE TRUST. In Europa war der Film bereits auf der Biennale 2006 in Venedig zu sehen. Sarah Aguilar führte für die mexikanische Zeitung Excelsior ein Interview mit dem Filmemacher, in dem er sich zu den thematischen Hintergründen seines neuen Films äußert: die Gewalt der Globalisierung und die Globalisierung der Gewalt.


EL COBRADOR: IN GOD WE TRUST ist die Verfilmung einer gleichnamigen Sammlung von Kurzgeschichten des brasilianischen Schriftstellers Rubem Fonseca. Die Handlungen spielen sich hierbei in New York, Miami, Mexiko City, Buenos Aires und Rio de Janeiro ab. In der Hauptgeschichte wird in der Neujahrsnacht ein Herrenhaus überfallen. Die dort Feiernden werden vom Einbrecher gefangen gehalten. Den Täter treibt ein einfacher Gedanke: da er nicht die Möglichkeit hatte zu studieren und so seine Situation zu verbessern, ist dieser Überfall in Wirklichkeit die Begleichung jener Schulden, welche die Gesellschaft gegenüber den armen Slumbewohnern hat. EL COBRADOR ist ein Thriller mit wechselnden Hauptdarstellern, die nach außen ein recht normales Erscheinungsbild pflegen. Man könnte hinter ihren Taten fast eine Art von Terrorismus vermuten, angesichts der allgemein herrschenden Gewalt versteckt sich dieser jedoch schon in der Nomalität. Bilder des berühmten brasilianischen Fotografen Sebastião Salgado waren die graphische Vorlage für Leducs Werk.

 

Der mexikanische Regisseur arbeitete 11 Monate an seinem Drehbuch. „Lang genug“, sagt er, „aber auch nicht zu lang.“

 

Was hat die Realisierung dieses Films denn so verkompliziert?

Bereits 1999 hatte ich mit dem Schreiben des Drehbuchs begonnen. Als jedoch 2001 der 11. September die Welt überraschte, rief ein Freund an: 'Sie zeigen dein Drehbuch im Fernsehen!' Natürlich war das übertrieben, aber es gab tatsächlich einige Parallelen. (...) Anfang September befand ich mich in Montréal. Wir hatten den mexikanischen und brasilianischen Teil schon gedreht, es fehlte noch der in New York. Mit dem 11. September brach alles zusammen, denn ab diesem Zeitpunkt wollte sich kein Produzent mehr diesem Thema widmen. Das Projekt war über mehrere Jahre auf Eis gelegt, eigentlich sogar vergessen, bis es durch mehrere Zufälle in Mar del Plata wieder zum Leben erweckt wurde. Das Drehbuch wurde natürlich etwas verändert.

 

Was war denn das Spezielle an deinem Drehbuch, da doch schon viele andere über die Gewalt in Zeiten der Globalisierung geschrieben und Filme gemacht haben?

(...) In meinem Film geht's nicht um den 11. September an sich. Aber er ist eins der vielen Themen, die angesprochen werden. Mein Film zeigt, dass es auch andere Perspektiven gibt, aus denen man die Ereignisse betrachten kann. Und dass man nicht über die Gewalt in der Welt reden kann, ohne dieses neue Phänomen der Globalisierung einzubeziehen. (...)

 

Wie lässt sich dein Film in die neue politische Realität Lateinamerikas einordnen?

Es ist viel passiert. Der 11.9., die Wiederwahl Bushs, Afghanistan und Irak. Und in Lateinamerika Lula, Kirchner, Evo Morales und Fox. Aber leider ist mein Drehbuch immer noch gültig: Wenn man das Problem nicht von Grund auf löst, werden diese Dinge weiterhin passieren, und wenn nicht in Mexiko, dann in Palästina, im Libanon oder anderen Teilen der Welt. (...) Die Leute werden aufhören, an die Demokratie zu glauben.

Wir wollen dieses Thema zur Diskussion stellen und provozieren, dass sich die Menschen damit auseinandersetzen; wir wissen, dass dieser Film die Meinungen teilen und niemals einen Preis gewinnen wird. Das ist keine Frage der Qualität. Ich selbst bin oft genug Jurymitglied bei Festivals gewesen und weiß, dass es Filme gibt, die polarisieren. Dazu ist dieser Film perfekt. Es wird Freunde und Feinde geben, das ist Teil der Angelegenheit. Man muss sich damit abfinden können und gleichzeitig auf die Tomatenwürfe vorbereitet sein.


Der Artikel mit dem vollständigen Interview ist in spanischer Sprache hier einzusehen.


Filmographie:

EL COBRADOR: IN GOD WE TRUST (2006)

BARTOLO Y LA MÚSICA (2003)

LA FLAUTA DE BARTOLO (1997)

LOS ANIMALES (1995)

DOLLAR MAMBO (1993)

LATINO BAR (1991)

BARROCO (1989)

FRIDA, NATURALEZA VIVA (1985)

¿CÓMO VES? (1985)

COMPLOT PETRÓLEO: LA CABEZA DE LA HIDRA (1981)

HISTORIAS PROHIBIDAS DE PULGARCITO (1980)

PUEBLA HOY (1979)

ENRIQUE CABRERA (1978)

ETNOCIDIO, NOTAS SOBRE EL MEYQUITAL (1977)

ESTUDIOS PARA UN RETRATO (1977)

BACH Y SUS INTÉRPRETES (1975)

EXTENSIÓN CULTURAL (1975)

EL MAR (1975)

REED, MÉXICO NSURGENTE (1973)

SUR: SURESTE 2604 (1973)

COMUNICADOS CINEMATOGRÁFICOS (1968)


 

Text: es und Excelsior
Bild: Image Net
 

 

 

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